Neulich standen wir an der Brigach, direkt an der Nahtstelle zwischen Villingen und Schwenningen. Eine Baugrube für ein neues Wohnquartier, knapp vier Meter tief, und der anstehende Auelehm machte, was Auelehm in Villingen-Schwenningen eben macht: Er reagierte sofort auf den einsetzenden Regen. Ohne eine engmaschige geotechnische Baugrubenüberwachung hätte man die Setzungen an der angrenzenden Bebauung kaum rechtzeitig interpretieren können. Die Doppelstadt mit ihren rund 86.000 Einwohnern liegt auf einem geologisch abwechslungsreichen Untergrund – von Muschelkalk im Westen bis zu quartären Kiesen und Tonen entlang der Flussläufe. Gerade in dieser Übergangszone braucht es mehr als nur einen Inklinometer pro Verbauwand. Wer hier ausschachtet, muss die Interaktion zwischen Aushub, Witterung und Nachbarbebauung kontinuierlich im Blick haben. Die Kombination aus Schürfgruben zur Baugrunderkundung und einem darauf abgestimmten Messprogramm ist für Projekte in Villingen-Schwenningen kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.
Ein Messwert alle 15 Minuten sagt mehr über die Standsicherheit als ein Baugrundgutachten allein – vor allem in der wechselhaften Geologie der Doppelstadt.
Arbeitsumfang in Villingen-Schwenningen

Lokale geotechnische Bedingungen in Villingen-Schwenningen
Die DIN 4123 und der Eurocode 7 (EN 1997-1:2004) fordern für Aushübe unterhalb des Grundwasserspiegels und bei Tiefen über 5 m ein messtechnisches Monitoring – in Villingen-Schwenningen greift diese Forderung besonders oft, weil die quartären Talfüllungen entlang der Brigach bereits ab 2,5 m Tiefe wasserführend sind. Ein unentdeckter Grundwasseranstieg während einer Starkregenperiode kann den hydraulischen Gradienten unter der Baugrubensohle umkehren und binnen Stunden einen hydraulischen Grundbruch auslösen. Die Setzungen an der Nachbarbebauung, vor allem an den gründerzeitlichen Gebäuden in der Villinger Innenstadt, summieren sich dann nicht im Millimeterbereich, sondern werden strukturell gefährlich. Ohne eine lückenlose geotechnische Baugrubenüberwachung fehlt dem Tragwerksplaner die Datengrundlage, um zwischen unkritischer Setzungsmulde und einem sich anbahnenden Versagensmechanismus zu unterscheiden. Die Kosten einer vernachlässigten Überwachung bemessen sich nicht in Euro, sondern in Rissen, Nutzungsausfällen und langwierigen Beweissicherungsverfahren. Für die Hanglagen am Ostrand von Schwenningen, wo der Muschelkalk von Verwitterungslehmen überlagert wird, ist zudem die Kriechneigung relevant – ein Phänomen, das nur mit kontinuierlichen Inklinometermessungen über mehrere Wochen sicher erfasst wird.
Unsere Leistungen
Eine aussagekräftige geotechnische Baugrubenüberwachung steht nie für sich allein, sondern ist Teil eines Mess- und Beobachtungskonzepts, das vor dem ersten Aushubhub beginnt und erst nach der letzten Verfüllung endet. In Villingen-Schwenningen setzen wir deshalb auf vier eng verzahnte Leistungsmodule:
Nullmessung und Beweissicherung
Dokumentation des Ist-Zustands aller angrenzenden Bauwerke vor Aushubbeginn. Risskartierung, fotogrammetrische Erfassung und Setzungsbolzen-Montage in Abstimmung mit dem Bauherrn und den Nachbarn.
Verformungsmonitoring Verbau
Automatisierte 3D-Vermessung der Spundwand- oder Trägerbohlwandprofile mittels Totalstation. Inklinometer-Messketten hinter dem Verbau liefern das Tiefenprofil der Horizontalverschiebung.
Grundwasser- und Porenwasserdruckmessung
Kontinuierliche Erfassung der Grundwasserstände mit elektrischen Piezometern. Bei gespannten Grundwasserverhältnissen im Muschelkalk zusätzliche Messstellen im tieferen Stockwerk.
Bauwerksüberwachung und Alarmmanagement
Anbindung der Messdaten an ein Webdashboard mit hinterlegten Grenzwerten. Automatische Benachrichtigung des verantwortlichen Baustellenpersonals bei Überschreitung der definierten Schwellwerte.